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Ort der Vielfalt Das an den Bezirk Tempelhof-Schöneberg verliehene Schild „Ort der Vielfalt“, hat seinen Platz gefunden. Lange gesucht haben die Verantwortlichen nicht, denn, wenn es einen Ort im Bezirk gibt, an dem Vielfalt gelebt wird, dann ist das die Werner-Stephan-Oberschule, wo sich Jugendliche aus 30 Nationen zusammenfinden.
Foto: v.l.n.r.: Schulleiterin Hannelore Weimar, Jugendamtsdirektor Wolfgang Mohns, stellvertretender Bezirksbürgermeisterund Bildungsstadtrat Dieter Hapel, Schulsprecher Daniel Winter und der ehemalige Schulleiter und jetzige Referatsleiter in der Senatsschulverwaltung Siegfried Arnz. Foto: Ed Koch
Foto: Lothar Duclos Anlässlich der Übergabe des Schildes an die Schule veranstaltete diese einen Festakt in der Aula, bei dem sich diese außergewöhnliche Schule sehr selbstbewusst präsentierte: „Wir sind die beste Schule seit 100 Jahren!“ Begrüßt wurden die zahlreichen Ehrengäste, unter ihnen die in der Bildunterschrift Erwähnten sowie der Leiter des Polizeiabschnitts 44, Andreas Theodor, und die Integrationsbeauftragte des Bezirks, Gabriele Gün Tank, und Eltern, Lehrer/innen und Schüler/innen, von elf Jugendlichen in elf verschiedenen Sprachen. Die Jugendlichen kommen alle aus der Klasse 9/4. Die Redner des Festaktes in der Aula der Schule anlässlich der Übergabe des Schildes am 4. Dezember 2008, bekundeten vor allem ihre Wertschätzung für die Schule. Das unterstrich auch Bildungsstadtrat Dieter Hapel, der sich vor allem über das Selbstbewusstsein der Schule freut und darüber, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Schule so toll finden. Nach der Melodie von „The lion sleeps tonight“ hat die Klasse 7.3 2006 den WSO-Song getextet, den die Schüler/innen natürlich bei der Veranstaltung vortrugen. Anschließend konnten die Gäste die CD mit dem Song käuflich erwerben. Die Werner-Stephan-Oberschule trägt das Prädikat „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, einen Titel, den man sich immer wieder neu verdienen muss. Vielfalt wird an der Werner-Stephan-Oberschule gelebt, so die Schulleiterin Hannelore Weimar in ihrer Rede. Der Vorgänger von Frau Weimar, Siegfried Arnz, hat einen großen Anteil daran. Er freut sich immer, wenn er seine alte Schule mal wieder besuchen kann. Besonders freut er sich, dass das Konzept auch fünf Jahre nach seinem Wechsel in die Senatsverwaltung immer noch trägt. In fünf Jahren ist eine komplett neue Schülerschaft entstanden, die sich auch für die Ziele der Schule begeistern ließ. ELSA ist dabei ein Hilfsmittel, um die Kommunikation zwischen Eltern, Lehrer/innen und Schüler/innen in der Aushandelungsgruppe zu verbessern. Ein besonders erwähnenswerter Vorgang ist die jährliche Arbeit am Schulversprechen. Die Klassensprecher/innen arbeiten Regeln aus, die für alle gelten sollen. In den Klassen werden diese Regeln diskutiert, gegebenenfalls verändert und dann in den Klassenräumen ausgehängt. Die alte Weisheit, dass der „Weg das Ziel“ ist, trifft hier sehr deutlich zu. Denn allein die Beschäftigung mit diesen Regeln verinnerlicht diese bei den Schüler/innen. Weil wir das Projekt Schulversprechen so wichtig finden, dokumentieren wir nachfolgend die Entstehung des Versprechens an die Schulgemeinschaft. Die Arbeit der Vertrauenslehrer/innen mit den Schülervertreter/innen hatte stets das Ziel, die Schüler/innen aktiv in Entscheidungsprozesse und in die Verantwortung für ihre Schule einzubinden, das Schulklima zu verbessern und einen Beitrag für ein demokratisches, friedliches und von Toleranz geprägtes Miteinander in der Schule zu leisten. Die WSO fing schon vor 20 Jahren damit an, mehrtätige Tagungen der Schülervertretung in einer Bildungsstätte durchzuführen. Neben der Auseinandersetzung mit dem Schulverfassungsgesetz, den Rechten und Pflichten einer Schülervertretung, wurde damals bereits damit begonnen, Trainingssituationen zur Konfliktbewältigung durchzuspielen.
Foto: Die Schüler/innen stellen das Schulversprechen den Gästen der Veranstaltung in Auszügen vor. Foto: Lothar Duclos Außerdem herrschte bei den Schüler/innen Unzufriedenheit mit der bestehenden Schulordnung. Diese wurde, wie auch an anderen Schulen üblich, von den Lehrern/innen geschrieben und den Schüler/innen übergestülpt, um sie in erster Linie damit zu disziplinieren. Diese Schulordnung musste dann in den folgenden Jahren immer wieder und unzählige Male von Missetätern als Strafe abgeschrieben werden. Allmählich jedoch reifte die Erkenntnis heran, dass ein solches Regulativ wie die Schulordnung für eine demokratische Schulgemeinschaft völlig unpassend ist. Aus der Erkenntnis heraus, dass Schülermitverantwortung und demokratische Beteiligung im Schulleben nicht erreicht werden kann durch die totale Bevormundung seitens der Lehrer/innen, gab es den Impuls des Vertrauenslehrers an die Schülervertretung, selbst Vorstellungen zu entwickeln wie eine gemeinsame Ordnung von den Schüler/innen für die Schüler/innen aussehen könnte. Die Schülervertreter/innen erstellten daraufhin zum ersten Mal vor sieben Jahren auf einer SV-Tagung Regeln für das Zusammenleben an der Werner-Stephan-Oberschule, die "Versprechen an die Schulgemeinschaft ". Seither gibt es jedes Jahr ein neues Versprechen. Einige Regeln werden beibehalten (Ich bringe keine Waffen und keine Drogen mit etc.), andere werden überarbeitet und neu formuliert, andere werden ergänzt. Die Vorgehensweise ist immer die Gleiche: Die Klassenstufenteams der Schülervertreter/innen entwickeln in Arbeitsgruppen einen gemeinsamen Vorschlag. Jede/r Schülervertreter/in überarbeitet das Versprechen des letzten Jahre zunächst für sich selbst und erstellt dann mit den anderen seines Jahrgangstufenteams einen gemeinsamen Vorschlag. Aus den vier Vorschlägen der Jahrgangstufen 7, 8, 9 und 10 wird dann durch Vergleich, Diskussion und Vereinheitlichung das neue Schulversprechen entwickelt. In den darauf folgenden Tagen diskutieren die Klassensprecher das neue Versprechen in den Klassen und jede/r einzelne Schüler/in bekundet mit Unterschrift, sich an diese Regeln halten zu wollen. Das neue Versprechen wird dann mit den Unterschriften der Schüler/innen in der Klasse ausgehängt. Zum Halbjahr wird dann bei einer weiteren Tagung die Wirksamkeit des neuen Versprechens evaluiert und eventuelle Veränderungen oder Maßnahmen diskutiert. Die Wirksamkeit des Schulversprechens im Schulalltag Das Schulversprechen hat sich im Laufe der Jahre zu einer wichtigen Säule der Schulgemeinschaft der Werner-Stephan-Schule entwickelt. Natürlich ist es kein Allheilmittel, welches die Zwangsgemeinschaft Schule in einen paradiesischen Ort voller Frieden und Harmonie verwandeln kann. Konflikte und Probleme gibt es weiterhin, aber diese werden von den Schüler/innen z.B. den Streitschlichtern/innen mehr und mehr selbst reguliert. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass das Schulversprechen wirksam ist und das Zusammenleben in der Schule verbessert hat. Als der Kinderkanal bei einer Tagung der Schülersprecher diese auf die Wirksamkeit des Versprechens befragte, waren die Meinungen und Aussagen der Schüler/innen einhellig: Die Schüler/innen bemühen sich laut ihrer eigenen Aussage, ihre Versprechen, besiegelt mit ihrer Unterschrift, einzuhalten. Während beispielsweise früher Schüler häufiger Waffen mit in die Schule brachten, können Stichproben, durchgeführt vom Vertrauenslehrer oder dem Schulleiter, dies in der Regel nicht mehr bestätigen. Die Schüler/innen reagieren empört, wenn man ihnen unterstellt, dass sie sich nicht daran halten würden. Es verdeutlicht den Wunsch der Schüler/innen, ernst genommen zu werden und ernsthaft zu handeln. Analysiert man die einzelnen Punkte des Versprechens, so stellt man fest, dass es sich um eine gelungene Mischung von moralisch-ethischen Statements mit ganz konkreten Regeln handelt. 1. Ich nehme keine Drogen, Waffen oder rechtsradikale Sachen mit in die Schule. 2. Ich unterlasse das Rauchen während der Schulzeit. 3 Handys müssen ausgeschaltet und in den Taschen gelassen werden. 4. Ich fange keinen Streit und keine Prügelei an. 5. Wenn ich Ärger mit meinen Mitschülern habe, versuche ich den Konflikt zuerst selbst und ohne Gewalt zu klären oder wende mich an die Vertrauensschüler und dann an die Lehrer/innen. 6. Ich darf das Schulgelände während der Schulzeit nicht verlassen nur mit Erlaubnis. 7. Ich akzeptiere und respektiere jeden Schüler egal von welcher Herkunft oder mit welcher Behinderung. 8. Ich beschmiere die Schule nicht und benutze kein fremdes Eigentum ohne vorherige Erlaubnis. 9. Ich verlasse die Toiletten so, wie ich sie vorgefunden habe. 10. Ich bemühe mich diese Regeln einzuhalten, wenn nicht werde ich die Konsequenzen tragen müssen. Die Redner des Festaktes in der Aula der Schule anlässlich der Übergabe des Schildes am 4. Dezember 2008, bekundeten vor allem ihre Wertschätzung für die Schule. Das unterstrich auch Bildungsstadtrat Dieter Hapel, der sich vor allem über das Selbstbewusstsein der Schule freut und darüber, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Schule so toll finden. Nach der Melodie von „The lion sleeps tonight“ hat die Klasse 7.3 2006 den WSO-Song getextet, den die Schüler/innen natürlich bei der Veranstaltung vortrugen. Anschließend konnten die Gäste die CD mit dem Song käuflich erwerben. In Vertretung von Jugendstadträtin Angelika Schöttler sagte Jugendamtsdirektor Wolfgang Mohns auf der Veranstaltung: „Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg nimmt für sich in Anspruch, ein Ort der Vielfalt, Toleranz und der gelebten Demokratie zu sein. Die Menschen in unserem Bezirk leben gerne hier. Selbstverständlich beteiligt sich der Bezirk auch an dem von der Bundesregierung im letzten Jahr ins Leben gerufenen Programm ‚Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus’. Bisher konnten mit Hilfe dieses Programm 32 Projekte im Bezirk durchgeführt und mit insgesamt 175.000 Euro gefördert werden. In Theaterstücken, Veranstaltungen, künstlerischen und sportlichen Darstellungsformen, in Projekten, die sich mit den Folgen des Nationalsozialismus oder mit der Intoleranz gegenüber Homosexualität beschäftigen, haben sich insbesondere viele junge Menschen engagiert. Die Mehrzahl der Projekte fand in Kooperation mit Schulen statt. Das Bundesprogramm wird noch zwei weitere Jahre laufen und wir dürfen gespannt sein auf die Ideen, die in dieser Zeit noch umgesetzt werden. Begleitend zu dem schon erwähnten Bundesprogramm ‚Jugend für Vielfalt’ wurde die Initiative ‚Orte der Vielfalt’ ins Leben gerufen. Auch für diese Initiative hat sich der Bezirk erfolgreich beworben und wurde als einer der Orte in der Bundesrepublik ausgezeichnet, der sich in vorbildlicher Weise für Vielfalt und Toleranz einsetzt. Die Auszeichnung wurde von unserer Integrationsbeauftragten Gabriele Gün Tank entgegen genommen. Die Auszeichnung bestand aus einer Urkunde und einem Schild mit der Aufschrift ‚Tempelhof-Schöneberg in Berlin – Ort der Vielfalt’. Dieses Schild wollen wir an einem würdigen Ort aufstellen. Und welcher Ort ist dafür besser geeignet als die Werner-Stephan-Oberschule. Die Auswahl ist uns leicht gefallen, denn wir sind seit vielen Jahren stolz darauf, dass sich die Werner-Stephan-Oberschule bereits seit 2001 als eine der ersten Schulen bundesweit ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage’ nennen darf. Dank, Ermutigung, Verpflichtung und die Hoffnung, dass dieses Beispiel im wahrsten Sinne des Wortes ‚Schule macht’ verbinden sich mit der Übergabe des Schildes.“ |