(erarbeitet von den Klassensprechern/innen)
Das Versprechen an die
Schulgemeinschaft: Die Schulordnung der Schüler der Werner-Stephan-Oberschule
(Hauptschule Berlin-Tempelhof)
Die Entstehung des Versprechens an die Schulgemeinschaft
Die Arbeit der
Vertrauenslehrer/innen mit den Schülervertreter/innen hatte stets das Ziel, die
Schüler/innen/innen aktiv in Entscheidungsprozesse und in die Verantwortung für
ihre Schule einzubinden, das Schulklima zu verbessern und einen Beitrag für ein
demokratisches, friedliches und von Toleranz geprägtes Miteinander in der Schule
zu leisten. Die WSO fing schon vor 20 Jahren damit an, mehrtätige Tagungen der
Schülervertretung in einer Bildungsstätte durchzuführen. Neben der
Auseinandersetzung mit dem Schulverfassungsgesetz, den Rechten und Pflichten
einer Schülervertretung wurde damals bereits damit begonnen,
Trainingssituationen zur Konfliktbewältigung durchzuspielen.
Außerdem herrschte bei den Schüler/innen Unzufriedenheit mit der bestehenden
Schulordnung.
Diese wurde wie auch an anderen Schulen üblich von den Lehrern/innen geschrieben
und den Schüler/innen übergestülpt, um sie in erster Linie damit zu
disziplinieren. Diese Schulordnung musste dann in den folgenden Jahren immer
wieder und unzählige Male von Missetätern als Strafe abgeschrieben werden.
Allmählich jedoch reifte die Erkenntnis heran, dass ein solches Regulativ wie
die Schulordnung für eine demokratische Schulgemeinschaft völlig unpassend ist.
Aus der Erkenntnis heraus, dass Schülermitverantwortung und demokratische
Beteiligung im Schulleben nicht erreicht werden kann durch die totale
Bevormundung seitens der Lehrer/innen, gab es den Impuls des Vertrauenslehrers
an die Schülervertretung, selbst Vorstellungen zu entwickeln wie eine gemeinsame
Ordnung von den Schüler/innen/innen für die Schüler/innen aussehen könnte.
Die Schülervertreter/innen
erstellten daraufhin zum ersten Mal vor zwölf Jahren auf einer SV-Tagung Regeln
für das Zusammenleben an der Werner-Stephan-Oberschule, die "Versprechen an die
Schulgemeinschaft ". Seither gibt es jedes Jahr ein neues Versprechen. Einige
Regeln werden beibehalten (Ich bringe keine Waffen und keine Drogen mit etc.),
andere werden überarbeitet und neu formuliert, andere werden ergänzt.
Die Vorgehensweise ist immer die Gleiche:
Die Klassenstufenteams der Schülervertreter/innen entwickeln in Arbeitsgruppen
einen gemeinsamen Vorschlag. Jede/r Schülervertreter/in überarbeitet das
Versprechen des letzten Jahre zunächst für sich selbst und erstellt dann mit den
anderen seines Jahrgangstufenteams einen gemeinsamen Vorschlag. Aus den vier
Vorschlägen der Jahrgangstufen 7,8,9 und 10 wird dann durch Vergleich,
Diskussion und Vereinheitlichung das neue Schulversprechen entwickelt.
In den darauf folgenden Tagen diskutieren die Klassensprecher das neue
Versprechen in den Klassen und jede/r einzelne Schüler/in bekundet mit
Unterschrift, sich an diese Regeln halten zu wollen. Das neue Versprechen wird
dann mit den Unterschriften der Schüler/innen in der Klasse ausgehängt.
Zum Halbjahr wird dann bei einer weiteren Tagung die Wirksamkeit des neuen
Versprechens evaluiert und eventuelle Veränderungen oder Maßnahmen diskutiert.
Die Wirksamkeit des Schulversprechens im Schulalltag
Das Schulversprechen hat sich im Laufe der Jahre zu einer wichtigen Säule der
Schulgemeinschaft der Werner-Stephan-Schule entwickelt.
Natürlich ist es kein Allheilmittel, welches die Zwangsgemeinschaft Schule in
einen paradiesischen Ort voller Frieden und Harmonie verwandeln kann. Konflikte
und Probleme gibt es weiterhin, aber diese werden von den Schüler/innen z.B. den
Streitschlichtern/innen mehr und mehr selbst reguliert.
Es besteht jedoch kein Zweifel, dass das Schulversprechen wirksam ist und das
Zusammenleben in der Schule verbessert hat.
Als der Kinderkanal bei einer Tagung der Schülersprecher
diese auf die Wirksamkeit des Versprechens befragte war die Meinungen und
Aussagen der Schüler/innen einhellig:
Die Schüler/innen bemühen sich laut ihrer eigenen Aussage, ihre Versprechen
besiegelt mit ihrer Unterschrift einzuhalten. Während beispielsweise früher
Schüler häufiger Waffen mit in die
Schule brachten, können Stichproben, durchgeführt vom Vertrauenslehrer oder dem
Schulleiter, dies in der Regel nicht mehr bestätigen. Die Schüler/innen
reagieren empört, wenn man ihnen unterstellt, dass sie sich nicht daran halten
würden. Es verdeutlicht den Wunsch der Schüler/innen ernst genommen zu werden
und ernsthaft zu handeln.
Analysiert man die einzelnen Punkte des Versprechens, so stellt man fest, dass
es sich um eine gelungene Mischung von moralisch-ethischen Statements mit ganz
konkreten Regeln handelt. Seit 2006 gibt es einen Schülerrat, der sich aus 6
Vertrauensschülern der 10. Klassen und 4. Vertrauensschüler der 9. Klassen
zusammensetzt. Dieser Rat hat die Aufgabe über die Einhaltung des
Schulversprechens zu wachen.
Bei Verstößen werden mit den Betreffenden Gespräche geführt. Bei schwersten
Verstößen (z.B. Dealen von Drogen, Erpressungen) werden die Vertrauenslehrer
informiert, die dann mit dem Schülerrat gemeinsame Schritte beraten und
Vorschläge für Disziplinmaßnahmen an Schulleitung und Klassenkonferenz machen
können.
Die einzelnen Arbeitsschritte:
1. Phase: Die Schüler arbeiten in ihrer Klassenstufe jeder für sich Vorschläge
für das neue Versprechen aus. Beispiele: Einzelarbeit der 7. und 9. Klassenstufe

2. Phase: Zusammenfassung der Ergebnisse in den Klassenstufen
Beispiele: 8. und 10. Klassenstufe


3. Phase Zusammenfassung und
Diskussion der Ergebnisse im Plenum


4. Phase Beschluss über die neue Version des Schulversprechens

5. Phase: Verteilen des neuen Versprechens in die Klassen, Diskussion,
eventuelle Änderungsvorschläge, Unterschrift, Aushängen in den Klassen.
(erarbeitet von den Klassensprechern/innen am 6.9.2006)
1. Ich nehme keine Drogen, Waffen oder rechtsradikale Sachen mit in die Schule.
2. Ich unterlasse das Rauchen während der Schulzeit.
3 Handys müssen ausgeschaltet und in den Taschen gelassen werden.
4. Ich fange keinen Streit und keine Prügelei an.
5. Wenn ich Ärger mit meinen Mitschülern habe, versuche ich den Konflikt zuerst selbst und ohne Gewalt zu klären oder wende mich an die Vertrauensschüler und dann an die Lehrer/innen.
6. Ich darf das Schulgelände während der Schulzeit nicht verlassen nur mit Erlaubnis.
7. Ich akzeptiere und respektiere jeden Schüler egal von welcher Herkunft oder mit welcher Behinderung.
8. Ich beschmiere die Schule nicht und benutze kein fremdes Eigentum ohne vorherige Erlaubnis.
9. Ich verlasse die
Toiletten so, wie ich sie vorgefunden habe.
10. Ich bemühe mich diese Regeln einzuhalten, wenn nicht werde ich die Konsequenzen tragen müssen.